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Angedacht

Danke, ach Herr ich will dir danken, dass ich danken kann

01.10.2018 18:00

Danke
Bildnachweis - https://pxhere.com/de/photo/1382749

Milch kommt aus dem Supermarkt und Erbsen aus der Dose. Auch wenn sich in Deutschland nur noch eine Minderheit von Produkten aus eigenem Anbau ernährt, leben wir alle vom Wachsen und Gedeihen in der Natur.

Und das kommt allein von Gott. „Doch Wachsen und Gedeihen, steht in des Himmels Hand“, singen wir in einem bekannten Erntedanklied.

Das Erntedankfest erinnert uns an Gottes großartiges Schaffen für uns, seine Geschöpfe. Als eigenes Fest wurde Erntedank erst im 20. Jahrhundert in den liturgischen Kalender aufgenommen. Traditionell ist der Termin für das Fest wegen unterschiedlicher Erntezeiten nicht verbindlich festgeschrieben. Mehrheitlich hat man sich aber in Deutschland auf den Sonntag nach dem Michaelistag (29. September) geeinigt. An diesem Tag wird nach bäuerlicher Tradition für die von Gott gegebene und von den Menschen eingebrachte Ernte gedankt.

Die Herkunft des Festes liegt wohl schon sehr weit zurück, eine Anknüpfung erfährt es an das jüdische Fest Schawuot. An diesem Fest fanden eine Prozession zum Tempel und das Darbringen von Opfer­gaben statt.

In unseren Tagen blicken wir auf eine alles übertreffende Fülle an Gaben. Obst und Gemüse türmen sich das ganze Jahr über auf, das Angebot ist nicht mehr gebunden an regionale Erntezeiten und -orte. Wer es beim alltäglichen Supermarkteinkauf nicht mehr bewusst wahrnimmt, dem zeigt das Erntedankfest: Wir leben in einem reichen Land, an Nahrungsmitteln ist kein Mangel. Erntedank zeigt uns aber auch, dass unsere Arbeitskraft und unser ganzes Leben ein Geschenk unseres Gottes sind.

Beides gehört zusammen, die Arbeit in Industrie und Handel, ja die Arbeit in allen Lebensbereichen und die Früchte, die wieder gewachsen sind und mit viel menschlicher Anstrengung gehegt und geerntet wurden.

Matthias Claudius stellt ganz richtig fest: Es geht durch unsere Hände und kommt doch her von Gott.

Danke, ach Herr ich will dir danken, dass ich danken kann.

Dankbarkeit fällt nicht vom Himmel. Sie kann erlernt und geübt werden. Dankbare Menschen sind zufriedener, so weiß es die Psychologie. Dankbarkeit ist eine wesentliche Sozialisationserfahrung von Kindesbeinen an. Sie muss immer wieder neu erarbeitet werden. Wer gelernt hat, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden, ist empfindsamer für die Dankbarkeit.

Das Erntedankfest schärft den Blick für die Dinge, die für das Leben wesentlich sind. Der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm schreibt:

„Eine Gesellschaft, die aus der Dankbarkeit lebt, ist eine soziale Gesellschaft. Das Erntedankfest erinnert uns an die Fülle unseres Lebens, an die Arbeitskraft, die wir einsetzen, an die Lebensmittel, die unter Gottes Segen gedeihen. Es erinnert uns an Gottes großartige Wirkens- und Schaffenskraft,

die er uns täglich neu zukommen lässt. Erinnern wir uns an Gottes großartige Liebe zu uns Menschen. Er schenkt uns materielle und geistliche Gaben in Hülle und Fülle. Dafür wollen wir ihn loben und preisen. So wollen wir das Erntedankfest auch zum festen Anlass nehmen, darüber nachzudenken, wie wir uns an der Erhaltung und Bewahrung von Gottes großartiger Schöpfung beteiligen können.“

Lasst uns das Erntedankfest feiern mit Lob und Dank an unseren Schöpfer. Lasst uns mit Freude bekennen: Danke, ach Herr ich will dir danken, dass ich danken kann.

Eine dankbare Erntezeit wünscht Ihnen

 

[Ihr Pfarrer Heiner Glückschalt]

 

 

 

Geh aus, mein Herz, und suche …

01.06.2018 18:00

Die Sommerzeit lädt ein, nach draußen zu gehen. Was suchen wir in der Natur? Entspannung, Erholung, wohltuende Bewegung, auch schöne Eindrücke, die uns erfreuen und helfen, ein wenig „runter­zukommen“. „Ach, endlich Zeit dafür!“ Das wünschen wir uns, wenn wir so recht gefordert sind. Ein wenig Entlastung in unruhigen Zeiten durch die Freude an der Natur. 

„Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit“ (Evang. Gesangbuch 503) empfahl schon der große Liederdichter Paul Gerhardt (1607–1676) in der schweren Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg – selbst leidgeprüft, keineswegs blauäugig.

Ich möchte Ihnen für die Sommerzeit ans Herz legen, es einmal mit einer Wahrnehmungsübung in der Natur zu versuchen:

Wählen Sie sich dazu eine freie Zeit und beugen Sie möglichen Störungen und Ablenkungen vor. Lassen Sie das Handy zuhause. Diese stille Stunde ist für Sie. Gehen Sie alleine los in die Natur, möglichst an einen ungestörten Ort. Das Denken und Beurteilen wollen lassen Sie zurück. Sagen Sie sich selbst: Ich muss nichts erreichen! Gehen Sie zunächst im gewohnten Tempo spazieren, bis Sie allmählich langsamer werden. Nehmen Sie wahr, was Ihnen an Eindrücken begegnet – mit allen Sinnen: 

Sehen (Wiesen, Wald, Wege, Wolken, Himmel, Sonne, …)

Hören (das Zwitschern der Vögel, das Läuten der Glocken, ja, auch Autos, andere Geräusche, …)

Riechen (den Duft der Blumen, von frischem Gras und Erde, ja, auch Abgase, …)

Schmecken (die Ahnung eines Geschmacks auf der Zunge, …)

Tasten (Steine, Erdreich, Baumrinde, …)

Spüren Sie den Kontakt Ihrer Füße mit dem Boden, die Wärme der Sonne, die Nässe des Regens, die Kühle des Windes …

Sie können zwischendrin auch stehen bleiben und einzelne Dinge eingehender wahrnehmen (einen Baum, eine Blume, …). Wir versuchen diese Dinge wahrzunehmen, ohne sie gleich bewerten oder beurteilen zu wollen. Auch werden wir merken, dass unsere Gedanken immer wieder abschweifen. Unser Denken kreist ja oft um die Vergangenheit oder die Zukunft und wir sind dann nicht hier, in der Gegenwart. Wenn wir erkennen, dass Gedanken kommen, kehren wir immer wieder zur einfachen sinnlichen Wahrnehmung zurück. Wirklich immer wieder, zehnmal, hundertmal, … kommen wir zurück in die Aufmerksamkeit.

Fragen Sie sich dabei: Was nehme ich wahr? Was kommt mir da entgegen?

Wenn Gefühle auftauchen, nehmen Sie auch diese wahr, beschäftigen sich aber nicht damit oder verlieren sich gar darin. Kehren Sie auch dann zur einfachen Wahrnehmung zurück.

Spüren Sie nach, ob Sie Freude empfinden am Hören, Schauen, Riechen und Tasten. Alles darf  sein, nichts aber muss sein. Es ist, wie es ist.

Die Übung können wir bewusst abschliessen mit einem einfachen Gebet oder Dank. (Franz Jalics, Kontemplative Exerzitien, 2009; und Exerzitien im Alltag, Autor und Jahr unbek.)

„Geh aus, mein Herz und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.“

Aus vielen seelsorgerlichen Gesprächen weiß ich, wie viele Menschen in der Natur Freude suchen und Kraft schöpfen. Manche spüren darin eine Anwesenheit, die über den Alltag hinausgeht. Freilich, denke ich, es ist ja Gottes Schöpfung und „des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen“ (Strophe 8). Auch wenn das für einige schon zu viel gesagt wäre …

In der Wahrnehmung von Gottes Schöpfung können wir uns selbst immer wieder üben. Unvoreingenommen das wahrzunehmen, was ist, so öffnen sich unsere Sinne allmählich auch für Gottes Gegenwart. Und die Suche nach etwas Erholung und Freude kann sich zur Suche nach Gott wandeln. So wie Paul Gerhardts Sommerlied zum Gleichnis für das Himmelreich wird: „Welch hohe Lust, welch heller Schein, wird wohl in Christi Garten sein!“ (Strophe  10)

In unseren Gottesdiensten können wir die Begegnung mit Gott in der Gemeinschaft suchen: „Ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen.“ (Strophe 8)

Dazu laden wir Sie herzlich ein!

Eine gesegnete Pfingst- und Sommerzeit wünscht Ihnen und Ihren Lieben

 

[Claus Fiedler, Krankenhauspfarrer in Pasing]

 

PS: Wer mit Unterstützung und unter Anleitung vertieft üben möchte, kann sich auch „Geistliche Begleitung“ suchen – unter www.bayern-evangelisch.de

Weiterführende Literatur: A. Ebert, P. Musto, Praxis des Herzensgebets. Einen alten 

Meditationsweg neu entdecken (2013).

 

Wer die Musik nicht hört, hält Tanzende für verrückt

01.03.2018 18:00

„Auferstehung“ von Kristina Dittert
„Auferstehung“ von Kristina Dittert

Wer die Musik nicht hört, hält Tanzende für verrückt

Drei Frauen sind auf dem Weg zum Grab.

Maria aus Magdala: Von ihr wird erzählt, sie hätte früher einmal Männern mit ihrer käuflichen Liebe den Kopf verdreht.

Maria, die Mutter des Jakobus: Ihr Sohn war einer der Jünger Jesu, wahrscheinlich sogar mit ihm verwandt, sein Vetter.

Und schließlich Salome: Alte Schriften weisen sie aus als eine Schwester von Maria, der Mutter Jesu, demnach seine Tante.

 

Engste Verwandtschaft also, fast Familie.

Die drei Frauen haben Praktisches im Sinn: Als Myrrhophoren sind sie unterwegs. Das bedeutet Myrrhenträgerinnen. Sie halten sich an einen alten Brauch: Ein Verstorbener wird nach seinem Tod gesalbt. Wohlriechende Öle sollen den Geruch des Todes überdecken. Eigentlich Verschwendung, oder? Kostbarkeiten für einen Toten? Aber die Liebe stirbt nicht einfach mit, wenn uns der Tod jemanden entreißt, der ein Teil von uns gewesen ist.

 

Die drei Frauen haben ein Problem.

„Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?“ Es muss ein mächtiger Brocken gewesen sein. Wie so mancher Stein, der uns auf dem Herzen liegt. Die Luft abdrückt. Die eigene Kraft – sie reicht nicht aus. Zu schwer. Zu endgültig. Zu starr.

Doch da geschieht’s. Oder besser: Es ist bereits geschehen: Der Stein ist weg. Schon weggewälzt. Ohne ihr Zutun. Ohne ihre Kraft. Ohne ihren Glauben.

Ohne ihren Glauben? Ja! Mit keiner Faser ihres Körpers waren sie darauf eingestellt. Die Frauen entsetzen sich, als sie den Engel sehen. Sie fürchten sich: Nicht schon wieder! War der grausame Tod nicht schlimm genug? Jesus lebt?! Die frohe Botschaft stimmt sie zunächst alles andere als froh!

„Fürchtet euch nicht,“ sagt der Jüngling im Grab zu ihnen. Das sagen Engel oft, wenn es ernst wird, in der Bibel. Den Frauen – hilft es nicht. Im Gegenteil: Sie fliehen von dem Grab. „Denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.“ Nichts wie weg!

Das ist Ostern. Im Urzustand. Nein, es ist nicht zu fassen. Nicht zu glauben. Nichts zu hoffen. Gute Worte? Helfen nicht. Ein Bekenntnis? Kommt erst sehr viel später. Am Anfang steht nicht die österliche Freude, sondern Furcht und Flucht.

Es fällt schwer, sich hineinzuschicken in das, was ist. Ins Unabänderliche. Was bleibt da noch?

 

Was trägt? Was hält?

Meiner Erfahrung nach ist es vor allem das Nächstliegende. Das Gewohnte. Riten und Gebräuche. Gesten, Blumen, Kerzen. Essen und Trinken. Schweigen, Reden. Nicht die fulminante Predigt. Sondern die vielen

kleinen Schritte. Tastend. Hilflos. Unsicher. Menschen, die einfach da sind. Verwandte, Bekannte, Unbekannte.

Dazwischen dann doch: Texte und Gebete. Worte, die wir nicht selbst zu erfinden brauchen. Wenn’s gut geht, finden wir uns in ihnen wieder. Können wir uns darin bergen. Uns hineinfallen lassen. Mit unseren Fragen und mit unserer Angst. Mit unserem Entsetzen. Mit unseren Wunden und mit unserem Wundern. Mit unserem Lachen und mit unserem Weinen. Alleine oder mit anderen zusammen.

Ostern kann man nicht selber machen.

Es wird einem geschenkt.

Unterwegs zu sein scheint zu helfen.

Die drei Frauen – sie waren nicht allein.

Ist das der Schlüssel? Mitten in der Not?

Maria aus Magdala nimmt danach noch mehr wahr. Sie kennt die Extreme: Sieben böse Geister hat Jesus zu seinen Lebzeiten aus ihrem Leib verjagt. So einer macht keiner etwas vor! Sie sieht den Auferstandenen als ersten. Erkennt ihn. Als er sie beim Namen ruft.

Waghalsige Verrücktheit?

„Credo, quia absurdum“, wird der frühchristliche Schriftsteller Tertullian (160–220) gern zitiert: „Ich glaube, weil es absurd ist.“ Ja, so ist er oft, der Glaube. Wie das Leben selbst. Misstönend, ungereimt, töricht – verrückt.

So manches im Leben lässt sich nicht auf einen Nenner bringen. Es ist und bleibt voller Widersprüche. Paradoxien und Ambivalenzen gehören dazu. „Wer die Musik nicht hört, hält Tanzende für wahnsinnig.“

„Ich kratze, kritzel und kleckse gerne,“ beschreibt die Kunsttherapeutin Kristina Dittert ihre Art zu malen. Das Titelbild stammt von ihr. „Ich reiße und schmeiße, vertiefe mich und lass’ mich fallen, ich bin mal energisch und mal ruhig, mal mit offenen und mal mit geschlossenen Augen, mal weine ich auch, oder ich bin wütend, meistens lache ich, und meine Bilder lachen zurück …“

Gut möglich, dass auch dies eine Beschreibung von dem ist, was Auferstehung meint.

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit auf Ostern zu und frohe Feiertage!

 

[Ihr Pfarrer Hans-Martin Köbler]

 

 

Na,

01.12.2017 18:00

https://pxhere.com/de/photo/1207561
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alle Geschenke beisammen? Mit diesem Satz kann man bei seinen Mitmenschen in der Zeit zwischen dem ersten Dezember und Heilig Abend ganz verschiedene Reaktionen auslösen. Die einen lächeln und antworten: „Aber klar, und schon alles eingepackt.“ Andere blicken zur Seite, ziehen die Augenbrauen hoch und sagen: „Im Kopf habe ich schon alles beisammen, ich muss es nur noch besorgen.“ Und dann gibt es noch die dritte Gruppe, die zu Boden blickt und leiser werdend folgende Worte formt: „Oje, das muss ich auch irgendwann noch erledigen.“ Ich will ganz ehrlich sein, ich war aus verschiedenen Gründen schon Mitglied in allen drei Gruppen. 

In manchen Jahren bin ich bereits im Oktober vor Ideen für kleine Aufmerksamkeiten für gute Bekannte und große Geschenke für meine Liebsten fast geplatzt, habe alles eingekauft und fein säuberlich verpackt im Schrank bis zum 24.12. gelagert. In anderen Jahren hatte ich die guten Ideen beisammen, bin aber erst wenige Tage vor Heilig Abend losgezogen, um die Sachen zu besorgen. Da gab es aufgrund der knappen Zeit auch keine Aufmerksamkeiten und weniger schöne Verpackungen. Und dann gab es ein paar wenige Jahre, in denen sich die Geschenke bedingt durch Stress oder Sorgen in der Familie auf ein Minimum beschränkten. So kam ich in meinem Leben auch zweimal in die Situation, die Frage, ob ich alles beisammen hätte, mit den Worten „Bei uns gibt es diese Jahr nichts.“ zu beantworten. 2014 war ich das letzte Mal in dieser Situation. Meine Antwort löste bei meinem Gegenüber eine Mischung aus Ratlosigkeit und Mitleid auf dem Gesicht aus und mündete in die Frage: „Und was macht ihr dann?“ Ich antwortete, dass wir den Abend zusammen verbringen, etwas Gutes essen und die gemeinsame Zeit genießen wollen. Nur eben ohne Bescherung. Dieser Umstand gab mir die Möglichkeit, neu über die Tradition des Schenkens an Weihnachten nachzudenken. 

Im Herbst 2015 kam das Thema wieder zur Sprache und wir einigten uns in der Familie darauf es freizustellen, ob man den anderen an Heilig Abend etwas schenken möchte oder nicht. Das Ergebnis der Absprache war, dass alle am Heiligen Abend 2015 etwas bekamen und sich sehr gefreut haben. Einen Unterschied zu den Jahren davor gab es: Keiner erwartete ein Geschenk und umso geringer waren die Erwartungen und umso größer war die Freude darüber etwas zu bekommen. Der Zusammenhang zwischen großen Erwartungen gefolgt von Enttäuschungen spiegelt sich jedes Jahr in den Massen an umgetauschten Geschenken in Geschäften, Tauschpartys (kommerziell organisierte Feiern, bei denen ungewollte Geschenke getauscht werden können) und der Tatsache, dass Gutscheine oder Bargeld seit einigen Jahren einen großen Teil der Geschenke ausmachen. 

Große Erwartungen in Zusammenhang mit dem Heiligen Abend gab es auch vor rund 2000 Jahren. Große Erwartungen wurden im Buch des Propheten Jesaja im neunten Kapitel geschürt. Von der Herrschaft auf dem Thron Davids ist die Rede, die Friede und Gerechtigkeit bringen wird. Das sind sehr große Worte in unruhigen Zeiten und es kann nur die Rede von einem großen Feldherrn sein, der durchgreifen wird und durch kluges und strategisch versiertes Regieren Recht und Gerechtigkeit einkehren lassen wird. Bis in Ewigkeit! So haben sie nach ihm Ausschau gehalten – dem großen, starken und gerechten Retter, dem sein Ruf weit vorauseilt. Und dabei haben sie ihn vollkommen übersehen. Den kleinen, hilflosen und gänzlich un­fertigen Säugling in der Krippe im Stall in Betlehem. Der wie ein Regentropfen, der ins Meer fällt, in die Welt kommt. Sie haben damit gerechnet, dass einer kommt und ihnen seine Stärke, seinen Mut und seine Weisheit schenkt. Nicht, dass Gott sich selbst schenkt und als Gott, der Sohn, zu uns kommt. Und als die Erwartungen Jahre später auf Jesus prallten, nahmen die Dinge einen Verlauf, den wir heute „den Leidensweg Jesu“ nennen. 

Was können wir für uns daraus mitnehmen? Ich denke, dass wir, entgegen dem Trend der letzten Jahre, durch Jesus befreit werden, mit unserem Schenken Erwartungen erfüllen zu müssen. Ich empfinde die Erzählung der Weihnachtsgeschichte als Ermutigung, mehr von mir zu schenken – sei es in Form von Zeit oder der Möglichkeit zu gemeinsamen Erlebnissen.

Und? Haben sie schon alle Geschenke beisammen?

Ihnen und Euch allen eine gesegnete und entspannte Zeit!

 

Herzlichst

[Ihr Diakon Roland Wuttke]