Header

Angedacht

Gottes Geist steckt an

01.06.2017 18:00

https://www.pexels.com/photo/person-riding-paragliding-under-blue-and-white-cloudy-sky-57864/
https://www.pexels.com/photo/person-riding-paragliding-under-blue-and-white-cloudy-sky-57864

Mit Pfingsten tun wir uns schwer. Die Kinder im Kindergottesdienst oder die Schüler der Grundschule kennen die Ereignisse von Weihnachten und Ostern sehr genau. Bis in die Einzelheiten wissen sie von der Geburt Jesu, seiner Kreuzigung und Auferstehung.

Aber sie haben keine oder nur eine vage Vorstellung von Pfingsten. Bei der Mehrheit der Erwachsenen ist das nicht anders. Pfingsten bringen sie in Verbindung mit Ferien und Urlaub, den man aufgrund von guter Witterung und Wärme schon am Meer verbringen kann. Ein Schüler sagte einmal: „Ich glaube, das hat etwas mit einem Geist zu tun.“ Ja, Pfingsten ist ganz anders als Weihnachten mit dem Kind in der Krippe, ganz anders als Ostern, wo nach Schmerz, Leid und Trauer nach der Passionszeit durch die Auferweckung Jesu Christi neues Leben entsteht.

Was hat Pfingsten zu bedeuten? Es ist und bleibt irgendwie ein sperriges und schwieriges Fest. Ein verlängertes Wochenende, ein drittes Hochfest der Kirche. Selbst die Konsumwelt kann sich keinen Reim auf dieses Fest machen. Keine Produkt-Werbung, keine Marketing-Aktionen. Die Antwort von vielen Christen ist: Mit heiligem Geist soll Pfingsten zu tun haben, auch wenn sie sofort zweifelnd hinterher schieben: „Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es den Heiligen Geist gibt.“

Was an jenem Tag in Jerusalem geschah, beschreibt der Evangelist Lukas: 

„Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem die Jünger waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ 

Dieses Ereignis führt eine riesige Menschenmenge zusammen, Juden aus allen möglichen Landesteilen und unzählige Menschen aus der Diaspora. Pfingsten wird zu einem Wunder Grenzen überschreitenden Verstehens. 

Pfingsten ist ein Fest, das Menschen in Bewegung bringt. Mir fällt das Bild von einem Drachenflieger ein, mit kräftigen Schritten stößt er sich vom Boden ab, springt in den Abgrund. Doch er stürzt nicht in die Tiefe. Es ist faszinierend, wie er in die Höhe steigt, die Thermik geschickt ausnutzt. Der Drachen gewinnt an Höhe. Es ist eine Kraft, die ihn aufwärts treibt, unsichtbar, aber von großer Wirkung.

So ist es auch mit dem Heiligen Geist. Wir gehören als Christen nicht in verschlossene Räume, uns ist befohlen, nach draußen zu gehen, hinein in eine Welt, die die frohe Botschaft hören will, wo Gottes Geist weht und wirksam wird. Pfingsten ist eine Kraft Gottes, die übermittelt: Gott ist da, er ist bei mir in meinen Freuden, aber auch in allen meinen Sorgen und Nöten. Ich bin nicht allein in meinem Leben. Pfingsten müssen nicht wir Menschen schaffen. Gott selbst ist es, der da am Werk ist. So heißt es in einem Lied: 

Ein Funke, kaum zu sehn, entfacht doch helle Flammen; und die im Dunkeln stehn, die ruft der Schein zusammen. Wo Gottes große Liebe in einem Menschen brennt, da wird die Welt vom Licht erhellt, da bleibt nichts, was uns trennt.

Mit dem Bild des Funkens, der weitere Flammen entfacht, werden die Liebe Gottes und ihre Wirkung beschrieben. Die Kraft des Heiligen Geistes ist da, wenn der Funke überspringt. Dieser Geist ist da, wo Menschen sich begegnen, miteinander reden, einander zuhören und voneinander lernen. 

Der Geist von Pfingsten hat damals die Jünger berührt und heute berührt er uns. Er steckt uns an, seine Liebe weiterzugeben, damit viele unterwegs sind auf dem Weg des lebendigen Gottes.

Ein gesegnetes Pfingstfest.

[Ihr Pfarrer Heiner Glückschalt]

 

Gutes und Schweres Gott anvertrauen

01.03.2017 18:00

Krokusse
Claus Fiedler

Im März schien die Sonne. Wie schon seit Jahren geübt, fuhr ich zu Einkehrtagen. Zehn Tage im Schweigen mit dem Herzensgebet. Diesmal vor Ostern. In den Pausen zwischen den Meditationen in der Kapelle setzte ich mich gerne draußen vor eine Mauer mit Südlage. Von hinten den Rücken warm und von vorne das Gesicht von der Frühlingssonne beschienen, ließ es sich aushalten. Vogelstimmen erklangen zum Frühjahrskonzert. Ringsum spross das Gras. Die Schneeglöckchen zogen sich schon zurück, aber die Krokusse waren mächtig am Aufblühen. Augenblicke, die Gerhard Teerstegens Liedstrophe neu verstehen lassen: „Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte, Herr, berühren mein Gesichte. Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ (Evang. Gesangbuch 165,6) 

Ähnlich sitzt man auch in der Kapelle für einige Stunden am Tag auf dem Meditationshocker und richtet sich auf Gottes Gegenwart aus. Oft bleibt man dabei aber nicht nur still und froh. In der Stille kann im Meditierenden auch Dunkles aufsteigen. Mit „Wellness“ und bloßem „zur Ruhe kommen“ hat die Kontemplation dann wenig gemein. Mich beschäftigte in diesen Tagen das Thema „Vertrauen in Gott und in das – gefährdete – Leben“. Draußen in der Natur die zarten Blüten zu betrachten und zu berühren war wunderschön. Voll Mut und Vertrauen setzen sie sich der Frühjahrssonne aus – aber auch Wind und Wetter. 

Dann brach in der Natur wieder die Kälte ein. Das Grün um das Meditationshaus verschwand teilweise unter einer Schneedecke. Doch hier und da spitzten tapfer bunte Blüten heraus. Wie im richtigen Leben: Gute Zeiten werden unterbrochen durch eine ernstere Erkrankung, einen schmerzlichen Abschied von einem geliebten Menschen oder ein anderes Ereignis, das Menschen in eine Krise führt. Für Christenmenschen kann aber in solchen Tiefpunkten des Lebens Jesu Passion anklingen. Und sein Weg zeigt letztlich: Gott ist bei uns! Trotzdem! Denn: „Der Herr ist wahrhaftig auferstanden“ (Lukas 24,34). In der Gemeinschaft mit dem Auferstandenen haben wir diese große Hoffnung, dass das Leben – trotz allem Schweren und Dunklen – siegen wird.

Ermutigende Zeichen gilt es zu entdecken, wie Blüten im Schnee. Wenn die Sonne im Leben einmal nicht scheint, kann man sich beispielsweise fragen: Welche Kraftquellen in meinem Leben kenne ich? Was kann mir jetzt Halt geben? Wer oder was könnte mir helfen? Gab es auch etwas, das gut war an dem heutigen Tag? Und immer bleibt: 

Gutes und Schweres kann ich Gott anvertrauen.

Für das beginnende Frühjahr wünsche ich Ihnen beglückende österliche Momente. Den Rücken warm und geschützt. Die Sonne auf dem Gesicht. Ihnen kraftspendende und lichtvolle Erfahrungen in der Passionszeit auf dem Weg zum Osterfest

[Claus Fiedler]

 

 

Viel mehr als ein weißer Fleck

04.12.2016 13:10

Renate Mennecke

Atemberaubend, wie solch ein Bild entsteht: Zuerst werden verschiedene Farben auf die Leinwand aufgetragen. Relativ wohlgeordnet. Dann passiert’s: Die Künstlerin holt aus. Sie zerstört die geordnete Struktur. Schafft etwas völlig Neues. Das Chaos triumphiert!

Das Bild setzt Phantasien frei. Was lässt sich im Motiv der Titelseite erkennen und entdecken: Eine klaffende Wunde? Ein Sturm? Ein Engel mit zwei Flügeln? Oder nur „Krickelkrakel? So was kann doch jeder! Wirklich? Ich – kann es nicht. Logik liegt mir näher als explosiver Kontrollverlust.

Trotzdem fasziniert mich das Gemälde: Das wilde Hin und Her. Das kreatürliche Ineinander der Farben. Lebendig. Ausdrucksstark. Die Töne mischen sich.

Ein Weihnachtsbild? Durchaus: Mitten hinein in unsere Welt kommt Gott. Noch nicht mit Gold und Weihrauch, flankiert von klugen Theorien, in weihnachtlichem Drei- und Viervierteltakt.

Als Kind kommt Gott zur Welt. Holprig. Schreiend. Glucksend. Blutig. Ziemlich verrückt, was wir Christen da alle Jahre wieder behaupten und besingen: „Gott wird ein Knecht und ich ein Herr, das mag ein Wechsel sein …“ Still und heilig? Wird’s erst später.

Im Urlaub habe ich in einem Museum einer jungen Malerin über die Schulter geblickt. Sie hatte ihre Staffelei neben das Portrait eines alten Meisters gerückt und malte es ab. Möglichst genau. Exakt. Geschickt. Jedes Detail. Durchaus gekonnt. Und doch blieb das, was sie da malte, seltsam stumpf. Im Gegensatz zum Original.

Ich habe mir Zeit genommen. Näher hingesehen. Auch in die Augen des Gesichtes. Da fiel es mir auf: Der kleine weiße Punkt. Ein heller Fleck in der Pupille. Ein winziger Spiegel, der das Licht aus irgendeiner Quelle aufnimmt und reflektiert.

Der alte Meister hatte den Fleck nur hingetupft. In beide Augen. Weder eckig noch rund. Was halt an Farbe vom Pinsel hängen blieb. Seine junge Kollegin hat alles sauber nachgemalt. Strich für Strich. Kopiert. Den Punkt gemalt. Nicht nur getupft. Kein Risiko! Nichts Eigenes gewagt. Und siehe da: Das Leben – fehlte. Der kleine weiße Fleck haucht dem Bild das Leben ein.

An den folgenden Tagen hat mich beim Ansehen weiterer Portraits besonders dieses Detail interessiert: Die Frage nach dem „Punkt“. Stimmt meine Theorie vom weißen Fleck, der für das Leben steht?

Leben lässt sich nicht abkupfern. Nachmalen. Kopieren. So sorgsam und gewissenhaft wir’s auch versuchen. Leben ist immer mehr. Letztlich nur „hingetupft“. Recht zufällig. Verletzbar. Kräftig. Zart. Gewagt.

Was hat der hilflose Säugling von Bethlehem später nicht alles ausgelöst, verändert und bewegt!

600 Jahre zuvor hat der Prophet Hesekiel gesagt: „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch.“

Es ist die Jahreslosung für 2017. Renate Mennecke verbindet ihr Bild mit diesem Spruch.

Wir können den Gedanken weiterspinnen: Was wäre das für mich – ein neues Herz? Ein neuer Geist? Lebendig, gewagt, noch nicht erstarrt? Flüchtig – und doch voller Kraft …

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Advent, ein frohes Weihnachtsfest und Glück und Segen für das neue Jahr – in allem, was Ihnen darin begegnet und erscheint.

[Hans-Martin Köbler]

 

Liebe Gemeinde!

01.10.2016 18:00

Blume auf dem Weg
Otto Wenninger - pixelio.de/media/762389

Auf dem Weg sein – das sind wir von Kind auf und immer wieder, bis ins hohe Alter. 

Wir sind auf der Suche. Auf der Suche nach Glück, Liebe, Zufriedenheit, Frieden, vielleicht auch auf der Suche nach dem richtigen Glauben. Wir sind auf der Suche nach dem, was unser Leben wichtig, sinnvoll und lebenswert macht. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens.

Auf dem Weg sein – das sind wir, ohne zu wissen, wie unser Lebensweg aussieht. Ohne zu wissen, mit welchen Hindernissen wir zu rechnen haben, an welche Steine und Grenzen wir stoßen. Aber auch, ohne zu wissen, was uns alles Schönes und Gutes begegnet, welche neuen Erfahrungen wir sammeln dürfen. 

Auf dem Weg sein – schafft Beziehung und Begegnung zu vielen Menschen. Oft bleibt es bei einem „Guten Tag“ oder „Wie geht's?“. Aber es gibt auch andere Begegnungen. Da kommt mir ein Mensch entgegen und lässt sich mit mir ein. Er ändert seine Richtung und geht mit mir ein Stück des Weges. Wir erleben etwas gemeinsam. So entstehen Gemeinschaften. Man gibt etwas ab und bekommt etwas vom anderen dazu. 

Auf dem Weg sein – das ist wichtig. Sonst bleiben wir auf unserem Standpunkt stehen, erleben keine Veränderung. Wer nicht auf dem Weg ist, sammelt keine neuen Erfahrungen, bleibt stehen. Veränderungen sind zwar nicht immer leicht, doch gehören sie zu unserem Leben. Sie machen unser Leben bunt und abwechslungsreich. 

Auf dem Weg sein – das sind die Kinder, Jugendlichen, Konfis und Jugendleiter unserer Kirchengemeinde. Sie sind auf dem Weg, sich hier in der Kirchengemeinde wohl zu fühlen, einen Platz zu bekommen. Sie gehen hier ihre Wege und können dabei über sich selbst und ihre Beziehung zu Gott nachdenken. Sie sind unterwegs zu ihrem eigenen persönlichen Glauben. Ich bin dankbar, dass ich ein kurzes Stück ihres Weges mitgehen durfte.

Auf dem Weg sein – das sind wir alle. Auf verschiedenste Art, hier in unserer Kirchengemeinde. Ob unterwegs zum nächsten Gottesdienst, zu einer Veranstaltung oder zu einem Konzert, unterwegs beim Gemeindebriefaustragen oder zu einem 

der vielen Vorbereitungstreffen. Gemeindeleben ist „im Fluss“. 

Auf dem Weg sein – heißt aber auch, sich darüber gewiss sein: Bei jedem Schritt, den wir tun, ist Gott bei uns. Er begleitet uns auf unserem Weg und an den schweren Stellen unseres Weges trägt er uns sogar, wie in der Geschichte von den Spuren im Sand. 

Welche Wege wir in unserem Leben auch immer gehen werden, das wissen wir nicht, und das finde ich auch gut so. Nicht alles ist planbar. Das Gute ist das Wissen darum, dass man diese Wege nicht alleine gehen muss. 

Seien Sie weiterhin auf dem Weg. Gott ist mit Ihnen!

[Ihre Diakonin Nadja Wolf]

 

Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,
möge der Wind dir den Rücken stärken.
Möge die Sonne dein Gesicht erhellen
und der Regen um dich her die Felder tränken.
Und bis wir beide, du und ich, uns wiedersehen,
möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.
Gott möge bei dir auf deinem Kissen ruhen.
Deine Wege mögen dich aufwärts führen,
freundliches Wetter begleite deinen Schritt.