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ELKB, EKD, VELKD, LWB, ÖRK – Was ist das?

Kirchen arbeiten zusammen

Von der EKD, der „Dachorganisation“ der Evangelischen Kirchen in Deutschland, haben Sie vielleicht schon gehört. Aber was verbirgt sich hinter den Kürzeln ELKB und VELKD? Oder dem Lutherischen Weltbund (LWB)? Und schließlich: Dem ÖRK, dem Ökumenischen Rat der Kirchen?

Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB)

Die evangelischen Landeskirchen haben sich im Gefolge der Reformation entwickelt. „Cuius regio, eius religio“ lautet die Formel: Nicht mehr ein vom Papst in Rom bestellter Bischof sollte die Kirche leiten, sondern der jeweilige Landesherr. Er bestimmte die Konfession seiner Untertanen: Evangelisch oder katholisch. Lutherisch oder reformiert.
Wer damit nicht einverstanden war – musste umziehen. Nur in den freien Reichsstädten wie Augsburg, in denen die Bürger sich selbst regierten, errichteten unterschied­liche Konfessionen ihre Kirchen nebeneinander.
So kam es zu der Kuriosität, dass der bayerische König, obwohl selbst und selbstverständlich katholisch, an der Spitze der evangelischen Kirche in Bayern stand. Die Kirchenleitung bildete eine staatliche Behörde, das Oberkonsistorium in München, an dessen Spitze ein Kollegium aus evangelischen Juristen und Theologen stand.
Erst durch die Trennung von Staat und Kirche hat sich dies geändert – und verkompliziert: Heute teilen sich gleich vier kirchenleitende Organe die Verantwortung in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB). Jedes mit eigener Würde und Mandat: Landesbischof und Landeskirchenrat, die zweimal im Jahr tagende Landessynode und der Landessynodalausschuss, der die Synode zwischen den Sitzungen vertritt.

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)

In Deutschland gibt es heute genau zwanzig evangelische Landeskirchen. Mit unterschiedlichen Traditionen und Bekenntnissen: Lutherische, die sich an Martin Luther orientieren. Reformierte, die ihre Gründung anderen Reformatoren verdanken. Und Unierte: Sie entstanden durch den nur bedingt erfolgreichen Versuch im alten Preußen, die beiden evangelischen Konfessionen zu vereinen: Aus zweien wurde nicht eines, sondern drei. 

Jede Landeskirche ist selbständig. Damit dieser „Fleckerlteppich“ nicht auseinanderdriftet und die Evangelischen als Gesamtheit wahrgenommen werden können, nimmt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) übergreifende Aufgaben wahr, zum Beispiel in den Medien oder gegen­über politischen Institutionen und Gremien. Synode, Rat und Kirchenkonferenz sind die drei Leitungsorgane der EKD. Das Kirchenamt der EKD kümmert sich um die laufenden Geschäfte.

Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD)

Daneben, oder besser: Innerhalb der EKD haben sich die Lutherischen Landeskirchen zur Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) zusammengeschlossen. Ihr gehören heute folgende sieben Landeskirchen mit insgesamt 9,5 Millionen evangelischen Christinnen und Christen an: Bayern, Braunschweig, Hannover, Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, Sachsen und Schaumburg-Lippe.
Der Schwerpunkt der Aufgaben der VELKD liegt auf der theologischen Arbeit: Gottesdienst, Gemeindeaufbau und Ökumene. Oberkirchenrätin Christine Jahn, die am 16. November im Kantatengottesdienst die Predigt hält, ist Referentin für den Gottesdienst im Amt der VELKD in Hannover.
Leitungsgremien sind die Generalsynode, die Bischofskonferenz und die Kirchenleitung, das geschäftsführende Organ der VELKD zwischen den Generalsynoden.

Lutherischer Weltbund (LWB)

Der Lutherische Weltbund (LWB), englisch Lutheran World Federation (LWF), ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. Er wurde 1947 in Lund (Schweden) gegründet und hat seinen Sitz im Ökumenischen Zentrum in Genf. Er zählt inzwischen über 140 Mitgliedskirchen. Mehr als 70 Millionen lutherische Christen in fast 80 Ländern gehören ihm heute an.
Die Mitgliedskirchen des LWB haben zueinander volle Abendmahlsgemeinschaft vereinbart. Das bedeutet, dass die Mitglieder dieser Kirchen an den Abendmahlsfeiern der anderen Kirchen teilnehmen dürfen und ausdrücklich dazu ermuntert werden, dies zu tun. Allerdings kommt es in der weltweiten Gemeinschaft auch zu Spannungen, aktuell zu Fragen der Frauenordination und der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.

Ökumenischer Rat der Kirchen (ÖRK)

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) ist unter den zahlreichen Organisationen der modernen ökumenischen Bewegung die umfassendste und repräsentativste. Die Mitgliederbasis des ÖRK umfasst mehr als 500 Millionen Christen in aller Welt: Zu ihnen zählen die Mehrzahl der orthodoxen Kirchen, zahlreiche anglikanische, baptistische, lutherische, methodistische und reformierte Kirchen, sowie viele vereinigte und unabhängige Kirchen. Ende 2013 zählte der ÖRK 345 Mitgliedskirchen.
Während die meisten Gründungsmitglieder europäische und nordamerikanische Kirchen waren, setzt sich die heutige Mitgliedschaft vorwiegend aus Kirchen in Afrika, Asien, der Karibik, Lateinamerika, dem Nahen und Mittleren Osten sowie dem pazifischen Raum zusammen.
Der ÖRK ist ein einzigartiger Begegnungsraum: Hier können Christen aus der ganzen Welt miteinander nachdenken, diskutieren, gemeinsam handeln und Gottesdienst feiern, einander in Frage stellen und einander unterstützen, miteinander teilen und debattieren.
Die Römisch-Katholische Kirche gehört dem ÖRK nicht an, sie arbeitet aber in mehreren Bereichen mit dem ÖRK zusammen und ist Vollmitglied zweier seiner Kommissionen: Glauben und Kirchenverfassung sowie Weltmission und Evangeli­sation.

[Pfarrer Hans-Martin Köbler]

 

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