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Religionsunterricht – Antworten auf die Fragen nach Gott und der Welt

Ein paar Zahlen vorab: Im Dekanatsbezirk München besuchen rund 40 000 Schülerinnen und Schüler den evangelischen Religionsunterricht, davon rund 6 000, die bekenntnislos sind, auf Antrag. Bewusst und selbst entschieden wollen sie den Religionsunterricht besuchen. Dies spricht für seinen enorm hohen Stellenwert. Selbst die schwierige Zeit der Pubertät zeigt keine auffallende Abwanderung.

 

Über 600 staatliche und kirchliche Lehrkräfte halten wöchentlich an die 4 500 Religionsstunden. Sie werden erteilt an 227 Grundschulen, 88 Mittelschulen, 38 Volksschulen mit sonderpädagogischer För-derung, an 48 Realschulen, 66 Gymnasien und allen beruflichen Schulen.

 

Mit dem Religionsunterricht werden evangelische Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 18 Jahren erreicht. Der Religionsunterricht ist ordentliches Lehr- und damit auch Vorrückungsfach.

 

Eine stattliche Anzahl der Münchner Schulen liegt auch auf unserem Gemeinde­gebiet. Pasing gilt als die Schulstadt in München. Hier befinden sich vier Gymnasien, eine Realschule, eine Fachoberschule, eine berufsbezogene Fachhochschule, fünf Grundschulen und eine Förderschule.

 

Mit dem Religionsunterricht nimmt unsere Kirche Bildungsverantwortung in einer pluralen Gesellschaft wahr. Dies geschieht in konfessioneller Deutlichkeit und ökumenischer Offenheit.

 

Der Religionsunterricht setzt sich mit christlichem Glauben und Handeln auseinander und fördert die religiöse Entwicklung und Sozialisation. Früher geschah dies oft im Elternhaus – biblische Geschichten wurden erzählt, man betete mit Kindern und Enkeln. Heute hat die Schule diese Rolle größtenteils übernommen.

 

Der Religionsunterricht fördert die Selbst­ständigkeit der Schüler, zielt auf einen vor Gott verantwortbaren Umgang mit Mensch und Welt. So leitet er zur Lebenshilfe an und fördert Toleranz und Einfühlungsvermögen. Er basiert heute auf einer Vielzahl unterschiedlicher Konzeptionen und Methoden, die das Lernen vereinfachen. Die jüngste Neuerung, der „Lehrplan plus“, legt den Schwerpunkt auf das kompetenz­orientierte Lehren und Lernen. Fähigkeiten und Begabungen der Schüler stehen an erster Stelle. Diese gilt es zu fördern.

 

Nach einer Umfrage unter den Schülern aller Jahrgangsstufen gehört der Religionsunterricht zu den beliebten Schulfächern. Das hat seinen Grund vor allem darin, dass er die Schüler in ihrer jeweiligen Lebenswelt abholt und auf ihre Themen und Fragen zu Gott und der Welt Antworten versucht. Dazu ein beliebter Witz unter Religionspädagogen: Zwei Pfarrer unterhalten sich über ihren Religionsunterricht. „Meine Schüler sind eine echte Plage. Ich habe sie nach den Namen der Evangelien gefragt, und als Antwort kam nur ‚Josef’ und ‚Nepomuk’! Meint sein Kollege: „Seien sie doch froh, dass sie wenigstens zwei gewusst haben.“ Freude haben und Freude machen, ist der Tenor bei Schülern und Lehrern. 

 

Der Religionsunterricht reicht immer wieder über die Schule hinaus. Da sind vor allem die Projekte zu nennen, deren inhaltliche Absicht es ist, Kirche und Kirchengemeinde vor Ort näher kennen zu lernen. Und dann sind da die Gottesdienste: Wenn 2 500 Kinder und Jugendliche gemeinsam zur Kirche gehen, könnte man meinen, es sei ein kleiner Kirchentag in Pasing. So hoch ist etwa die Zahl der Schüler, die zum Schuljahresbeginn oder am Schuljahresende, in der Advents-, Weihnachts- und Osterzeit oder anderen Anlässen die Schulgottesdienste besuchen. Auch katholische Schüler, Muslime und Angehörige anderer Konfessionen sind herzlich eingeladen, eine nicht geringe Zahl nimmt die Einladung gerne an und feiert mit.

 

Ich persönlich gehe gerne in die Schule, denn hier ist das Leben zuhause mit all seinen Höhen und Tiefen. Im Religionsunterricht kann ich meinen ganz persönlichen Glauben einbringen. Gleichzeitig bekomme ich viele Gedanken aus dem Mund der Kinder und Jugendlichen, nicht verkopft, sondern ganz schlicht und einfach, trotzdem tiefgründig, als unbezahlbares Geschenk.

[Ihr Pfarrer Heiner Glückschalt]

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