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Schulgottesdienste

Gottesdienste – fast geheim – und doch nicht zu übersehen

 

Nur an Weihnachten sind die Kirchen voll? Und die Kinder fehlen? Ökumene – nur auf dem Papier? Von wegen!

Was „normale“ Gottesdienstbesucher selten erleben, prägt bei vielen Kindern die Wahrnehmung von Kirche und christlichem Glauben ganz entscheidend: Schulgottesdienste!

Am Anfang und am Ende jedes Schuljahres, vor großen Festen wie Weihnachten und Ostern versammeln sich Hunderte von Kindern in

unseren Kirchen und feiern Gottesdienst: Fröhlich und lebendig. Ansprechend und anspruchsvoll.

Herzlich und voll Phantasie bereiten Religionslehrkräfte diese Gottesdienste vor. Vieles davon zusätzlich und über das hinaus, was man von Lehrerinnen erwarten oder gar verlangen könnte: Rollenspiele werden geschrieben und Gottesdienst­abläufe „gestrickt“. Im Unterricht wird geprobt, in Freistunden gesungen. Von den Kindern formulierte Gebete werden behutsam redigiert.

Die meisten dieser Gottesdienste finden in einer Kirche statt. Evangelische Pfarrer, katholische Kolleginnen und Kollegen feiern mit. Unkompliziert. Selbstverständlich. Miteinander vertraut. Bei der Erstkommunion in St. Hildegard (katholisch) soll eine Schülerin sogar gefragt haben, wo denn der Pfarrer Köbler (evangelisch) heute bleibt …

Es tut gut, an einem besonderen Ort zur Ruhe zu kommen. Sich zu besinnen. Den Alltag der Schule für eine Weile hinter sich zu lassen. Für nicht wenige Kinder sind Schulgottesdienste zudem die einzige Gelegenheit, bei der sie „ihre“ Kirche wieder mal von innen sehen und als geistlichen Raum wahrnehmen.

Aber auch in Schulgebäuden kann festlich und froh gefeiert werden. Alle zusammen, als Schulgemeinschaft über alle Klassen­stufen hinweg. Oder auch sehr spezifisch, zugeschnitten auf einzelne Klassenstufen, um die Schülerinnen und Schüler altersgemäß anzusprechen und ihnen gerecht zu werden. Mitunter sind das dann bis zu vier Gottesdienste direkt hinter einander. Ein geistlicher Marathon. Aber er gelingt.

Wie gut, hängt immer auch von den Schulleitungen ab. Da haben wir enormes Glück in unserer „Schulstadt Pasing“: Rektorinnen und Rektoren haben ein großes Herz und viel Sympathie für diese Gottesdienste. Sie unterstützen und fördern sie sehr. Über alle Schultypen hinweg, unabhängig vom Träger der Schule, staatlich, städtisch oder

privat.

Noch wenig geklärt ist, in welchem Umfang Kinder, die keiner christlichen Kirche angehören, mitfeiern können. Bei einer christlich geprägten Adventsfeier im Schulgebäude ist das selten ein Problem: Auch Muslime verehren Jesus als Propheten. Vor Ostern und in der Kirche wird das schon schwieriger.

Manche feiern problemlos mit. Andere bleiben währenddessen lieber in der Schule. Interreligiöse Gottesdienste gibt es bei uns bisher noch nicht. Geht das überhaupt? Und wenn ja: Wie lassen sich solche Feiern gestalten?

Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis es hier zu tragfähigen Lösungen kommt. Bis dahin leben wir, so, wie wir sind, hoffentlich friedlich mit- und nebeneinander. Wohl wissend, dass Gott sehr viel größer ist als das, was wir in Schulen und Gottesdiensten bekennen und anbeten, begreifen oder gar fassen können.

[Pfarrer Hans-Martin Köbler]

 

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