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Vom Umgang mit Flüchtlingen

Nicht erst 2015 war ‚Flüchtlinge‘ das Wort des Jahres, es beschäftigt Menschen seit jeher. Von Flüchtlingen erzählt auch die Bibel und sie kann uns Christen bis heute Anregungen geben für unseren eigenen Umgang mit den Herausforderungen, die uns wortwörtlich vor Augen geschwemmt, vor die Nase gesetzt und ins Bewusstsein gestoßen werden. Diese Menschen sind uns in die Hände gelegt: Menschen wie Du und ich können nicht in Frieden und Sicherheit in ihrer Heimat leben. Sie machen sich auf ins Ungewisse und flüchten zu uns. Und wir, wie gehen wir mit ihnen um?

 

Flüchtlinge in der Bibel

Flucht ist ein existentielles Thema. Dort, wo es in der Bibel auftaucht geht es ums Ganze. Es geht um Leben und Tod. Eindringlich sind die biblischen Erzählungen, die sich um fliehende Menschen ranken und um deren Erleben mit den Menschen, die sie aufnehmen oder abweisen, die sie begleiten oder im Stich lassen.

Aus ihrer paradiesischen Heimat werden als erste Adam und Eva vertrieben. Gott selbst schickt die beiden aus seinem Land. Sie haben sich nicht an die Regeln gehalten. Eine pädagogische Vertreibung, ist sie heilsam für das erste Paar? Bis heute träumen Menschen vom Paradies, von dem Ort, an dem alles in Fülle da ist, an dem Frieden und Harmonie herrscht. Ein Traum, der immer wieder enttäuscht wird im Alltag, ein Traum, der Kräfte weckt, Gutes zu vollbringen.

Kain und Abel sind das nächste Pärchen, bei dem ein Konflikt dazu führt, dass einer flieht. Auch hier ist Gott beteiligt, der im Alten Testament sehr menschlich charakterisiert wird. Für seinen Brudermord wird Kain bestraft. „Unstet und flüchtig sollst du sein auf Erden.“ (Gen. 4,12b) Kain ist hier nicht allein. Er ist wie ein Prototyp des Menschen wie Du und ich, einer, der Fehler macht, der fähig ist zu Neid, Eifersucht, Hass und Gewalt.

Das Buch der Chronik hält es wie eine Lebensweisheit fest, dass zu unserem Leben dazu gehört, dass es ‚flüchtig‘ ist. Es ist wie ein Windhauch, wie ein Schatten. „Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht.“ (1. Chr. 29,15)

Ein sehr prominenter Flüchtling ist der Urvater Abraham. „Es kam aber eine Hungersnot in das Land. Da zog Abram hinab nach Ägypten, dass er sich dort als ein Fremdling aufhielte; denn der Hunger war groß im Lande.“ Modern könnte man ihn und Sarah als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnen, die nach Ägypten mit falschen Personalien eingereist sind (Gen. 12). Abraham und Sarah wollen leben, sie wollen sicher und satt sein und gehen in ein anderes Land. Dafür gehen sie in die Fremde, in ein anderes Land mit einer anderen Sprache und Kultur. Aber sie können nicht bleiben, sie ziehen weiter.

Auch ihr Nachfahre Joseph kommt ins Ausland, zunächst unfreiwillig. Dort in Ägypten kommt er zu hohem Ansehen. Er erhält die Erlaubnis, seine Familie nachzuholen (Gen. 47) – ein Beispiel für gelungene Integration? Zahlreiche weitere Menschen der Bibel werden vertrieben oder fliehen und leben im Ausland. Mose (Ex. 2), Ruth und Noomi (Rut 1), Aquila und Priszilla (Apg. 18), der barmherzige Samariter (Lk. 10) bis hin zu Josef und Maria und Jesus selbst. Ebenso vielfältig sind die Gründe ihres Fliehens: Hungersnöte, Krieg und Verfolgung.

 

Verhalten gegenüber Flüchtlingen

Wie gehen wir mit Menschen um, die auf der Flucht sind? Sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament brennt diese Frage in Herzen und Köpfen.

Die Propheten kritisieren den schlechten Umgang mit Flüchtlingen (Hes. 22,7; Sach. 7,10). „Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisset um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid,“ (Ex. 23,9) lautet ein Grundgebot für den Umgang 

mit Fremden in Israel. Weitere sind diese: „Einerlei Satzung soll bei euch sein für den Fremdling wie für den Einheimischen“ (Num. 9,14b) und das Gebot der Nächstenliebe, das auf Fremde hin noch besonders betont wird „[…] Gott hat die Fremdlinge lieb, dass er ihnen Speise und Kleider gibt. Darum sollt auch ihr die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen“ (Dtn. 10,18f). 

Wie gehen wir mit Menschen um, die auf der Flucht sind? Jesus macht das Verhalten gegenüber Fremden zu einem Kriterium für das ewige Leben (Mt. 25,31–46). „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.“ 

Gott selbst identifiziert sich mit dem, der fliehen muss. Jesus war Flüchtling. Ob ich ihm geholfen hätte?

[Pfarrerin Sarah Fischer-Röhrl]

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